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OKTOBER 1994
 

Magdeburger Volksstimme (Liane Bornhold):
„Ein Klavierabend, der ausschließlich den Werken eines Komponisten gewidmet ist, ist normalerweise nur ein Ereignis für eine kleine Schar von Liebhabern. Nicht so bei dem Chopin-Abend des Magdeburger Pianisten Hermann Müller. Die Telemann-Konzerthalle war nahezu ausverkauft und das Publikum konnte ein begeisterndes Konzert erleben.
Der Pianist begann sein Konzert mit den Nocturnes Es-Dur op. 55 Nr. 2 und Des-Dur op. 27 Nr. 2. Mit Gefühl für die rhythmischen und melodischen Eigenheiten der Stücke und einer nacherlebbaren musikalischen Spannung gestaltete er einen bewegenden Konzertauftakt. Anschließend waren die Ballade g-Moll op. 23, Drei Mazurken op. 59 und das Scherzo b-Moll op.31 zu hören. Müllers Interpretationen zeichneten sich vor allem dadurch aus, dass er Chopins Musik, vom festen Metrum gelöst, auf ihren inneren Melodie- und Spannungsbögen aufbaut. Der Künstler hob die Melodien hervor, ohne jemals hart oder vordergründig zu werden. Er entlockte dem neuen Grotrian-Steinweg-Flügel der Konzerthalle sehr vielfarbige Klänge, vom weichen Pianissimo bis hin zu einer nahezu orchestralen Klangfülle. Besonderen Beifall erhielt er für das b-Moll Scherzo. Der Wechsel von gelöst-heiteren Passagen und dramatischen Spannungen wurde nuancenreich bis in die kleinen musikalischen Details hörbar. Diese Charakterisierungsfähigkeit stellte der Interpret auch in der abschließenden Sonate h-Moll op. 58 unter Beweis eines der großen Chopinschen Werke, das seine Wirkung vor allem aus der Vielfarbigkeit des musikalischen Ausdrucks bezieht und, wie die anderen Werke auch, allerhöchste künstlerische Ansprüche an die Interpretation stellt. Diesen Ansprüchen ist der Pianist in jedem Fall gerecht geworden, und er hat einen Klavierabend gegeben, wie er lange nicht in Magdeburg zu erleben war. Für dieses wunderbare Chopin-Konzert erhielt der Künstler begeisterten Beifall. Auf weiter Solo-Abende mit Hermann Müller wird das musikliebende Publikum hoffentlich nicht allzulange warten müssen.“




1. Januar 1994 | Juni 1995